Archiv der Kategorie: leben

Noch einmal 20? Muss nicht sein.

„Wie alt bist du, Sabine?“ – „37.“
„Wie alt bist du, Sabine?“ – „38.“

Vor einer Sekunde war es noch gestern und heute muss ich plötzlich ein ganzes Lebensjahr dazu rechnen. Geburtstage, naja. Die 38 fühlt sich jetzt nicht wirklich schlechter an, ich mochte die Zahl 37 einfach lieber (und das, obwohl ich gar keine Zahlen mag), aber der Gewöhnungseffekt setzt rasch ein, ist ja zu Silvester auch nicht anders.

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Neues Jahr, neues Zuhause

Gedankenverloren stehe ich an der Bushaltestelle und beobachte einen jungen Mann. Mit gesenktem Kopf schiebt er mühsam ein Regal auf einem Rollwagerl vor sich her, zieht mit der anderen Hand einen großen Koffer hinter sich her und hat auch noch einen zusammengefalteten Karton unter den Arm gequetscht, der vermutlich spätestens beim übernächsten Häuserblock der Schwerkraft nachgeben wird. Erst nach und nach bemerke ich, wie lange ich ihm schon nachstarre und wie mitleidig mein Blick wirken muss. „Ach Leidensgenosse“, seufze ich innerlich, „irgendwann hast du es dann auch geschafft.“

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Wählt weise und auch ein bisschen solidarisch

Auf der Straße vorm Haus treffe ich einen alten Bekannten und wir kommen rasch auf die anstehende Nationalratswahl zu sprechen. Eigentlich reden wir selten über Politik, ich vermeide das meistens. Ich bin nämlich sehr unsicher, was seine politische Einstellung betrifft, und ich habe bei ihm immer das Gefühl, dass das für uns nicht so gut enden könnte. Egal, jetzt ist es passiert und es ist gut so.

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Sommer. Eine Liebeserklärung.

Du fehlst mir, Sommer. Die Leichtigkeit meiner Schritte, wenn ich auf dünnen Sohlen über den aufgeheizten Beton schlurfe. Das Gefühl der Grases unter meinen nackten Füßen. Der warme Fahrtwind, der meine Haare umspielt. Kurze, heftige Regengüsse, die Abkühlung versprechen, um dieses Versprechen dann doch zu brechen. Und dennoch ist es ein schöner Traum. Heftige Sommergewitter. Die vielen kleinen Sommersprossen in meinem Gesicht. Gebräunte Haut.

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Das alte Ehepaar an der Bushaltestelle

In meinem „neue Blogbeiträge“-Ordner liegen aktuell so viele halbfertige Texte und Ideenschnipsel für größere Geschichten, dass eigentlich gar keine Zeit für Anekdoten bleiben dürfte. Aber manchmal sind es gerade diese vermeintlich unbedeutenden Momente, diese kleinen Begegnungen, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Für die anderen Geschichten ist später auch noch Zeit.

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Es ist so eine Sache mit der Scham

Die Frau, die du mehr oder weniger nur vom Sehen und Grüßen kennst, sagt: „Du hast ja viel abgenommen, toll. Jetzt noch fünf Kilo, dann ist es perfekt.“ Sie weiß nicht, was du seit Monaten durchgemacht hast, um 15 Kilo abzuspecken. Die Essstörungen, die Kreislaufzusammenbrüche, das ständige Kalorienzählen, der Kontrollzwang, all die negativen Gedanken, weil sich alles nur noch ums Essen dreht, die Frage, ob du jemals ein völlig normales Verhältnis zu Lebensmitteln haben wirst. Und seien wir ehrlich: Es interessiert sie auch nicht, so wie es die meisten nicht interessiert.

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