Alle Beiträge von Sabine

Wovon sollen wir Freien eurer Meinung nach eigentlich leben?

Nach über sechs Jahren als freie Journalistin und Texterin gibt es immer noch Situationen, die neu für einen sind. Was ich aber von Anfang an immer wieder erleben musste, ist das Thema unfaire Bezahlung. Weil der freie Journalismus großteils leider sehr schlecht vergütet wird, habe ich mich von diesem Standbein inzwischen schon schweren Herzens verabschiedet. Ich bin nicht mehr bereit, einen Teil meiner Arbeit mit anderen Aufträgen querzufinanzieren, als wäre es nur ein Hobby. Ob das für immer so bleiben wird oder ich für mich irgendwann einen Weg finden werde, wieder beides zu machen, wird man sehen.

Aber was ich als freie Journalistin genauso erlebt habe wie ich es auch weiterhin als freie Texterin erlebe: Immer wieder werden Geschichten beauftragt, die dann entweder gar nicht oder erst viel später bezahlt werden. Zum Glück tausche ich mich seit Jahren intensiv mit Kolleg*innen aus, allem voran über den Verein Freischreiber Österreich, und weiß daher, dass solche Dinge sehr vielen von uns passieren. Man kommt sich ja irgendwann blöd vor, zweifelt sogar an seinen Fähigkeiten, wenn die eigene Arbeit anscheinend nichts wert ist.

Wovon sollen wir Freien eurer Meinung nach eigentlich leben? weiterlesen

Hampi: Barfuß über Stock und Stein

Jeder von uns hat Sehnsuchtsorte. Orte, an die wir uns besonders gerne erinnern. Oder Orte, die es nur in unserer Fantasie gibt. Hampi ist irgendwie beides davon.

Wenn ich an Hampi denke, stehe ich in Gedanken sofort wieder auf diesem  „verdammten! verdammten! verdammten!“ Hügel und schaue zu, wie die riesengroße südindische Sonne die ohnehin so surreale Landschaft langsam in rotes Licht taucht. Ich sitze wieder auf einem der noch von der Hitze des Tages erwärmten Felsen und kann meinen Blick nicht von dem unglaublichen Tempel lösen, der fast unscheinbar und gleichzeitig so präsent vor einer wunderbaren Bergkette steht. Ich spüre wieder, wie meine Füße einen Stein nach dem anderen erklimmen, wie ich bei jedem Schritt fluche, nach Luft ringe, gleichzeitig lache und (fast) weine und mich fühle, als würde ich gerade den Mount Everest besteigen. Und ich denke daran, wie atemberaubend, wie berauschend der Anblick ist, der sich mir von oben präsentiert. Die Glückshormone schlagen Purzelbäume.

Hampi: Barfuß über Stock und Stein weiterlesen

Noch einmal 20? Muss nicht sein.

„Wie alt bist du, Sabine?“ – „37.“
„Wie alt bist du, Sabine?“ – „38.“

Vor einer Sekunde war es noch gestern und heute muss ich plötzlich ein ganzes Lebensjahr dazu rechnen. Geburtstage, naja. Die 38 fühlt sich jetzt nicht wirklich schlechter an, ich mochte die Zahl 37 einfach lieber (und das, obwohl ich gar keine Zahlen mag), aber der Gewöhnungseffekt setzt rasch ein, ist ja zu Silvester auch nicht anders.

Noch einmal 20? Muss nicht sein. weiterlesen

Neues Jahr, neues Zuhause

Gedankenverloren stehe ich an der Bushaltestelle und beobachte einen jungen Mann. Mit gesenktem Kopf schiebt er mühsam ein Regal auf einem Rollwagerl vor sich her, zieht mit der anderen Hand einen großen Koffer hinter sich her und hat auch noch einen zusammengefalteten Karton unter den Arm gequetscht, der vermutlich spätestens beim übernächsten Häuserblock der Schwerkraft nachgeben wird. Erst nach und nach bemerke ich, wie lange ich ihm schon nachstarre und wie mitleidig mein Blick wirken muss. „Ach Leidensgenosse“, seufze ich innerlich, „irgendwann hast du es dann auch geschafft.“

Neues Jahr, neues Zuhause weiterlesen

50 Million Shades of Bodenbeläge

Zwei Terminverschiebungen später ist endlich so weit: Der Mietvertrag steht kurz vor der Unterzeichnung und die Umzugskisten sind so gut wie gepackt. Nur die Frage nach dem Bodenbelag könnte sich als Stolperfalle entpuppen. Das braune-Teppichböden-Drama konnte ich gerade noch abwenden (ja, auch 2017 verlegen Genossenschaften noch Teppiche in schicker 70er-Jahre-Optik), der Aufpreis für den Laminat ist jeden Cent wert. Doch bei Küche und Vorzimmer will ich sparen und belasse es bei dem PVC-Belag, den die Genossenschaft in Auftrag gegeben hat. „Ist der eh nicht hässlich?“ frage ich den Bodenleger extra. „Nein, der ist okay“, antwortet der.

50 Million Shades of Bodenbeläge weiterlesen

Warum wir mehr Clowns brauchen und wie ausgerechnet ich zu dieser Erkenntnis gelangt bin

Als ich vor dem Wiener Circus- und Clownmuseum stehe, bin ich fast ein bisschen nervös. Zirkus war nie so mein Ding und bei Clowns denke ich zwangsläufig an „Pennywise“, den Gruselclown aus Stephen Kings „Es“. Das Schicksal meiner Generation. Zudem zaubern Andreas und Michael Swatosch, die angeboten haben, mir das Museum zu zeigen, auch noch. Zauberei, Magie und Illusion lösen in mir automatisch das Gefühl aus, als würde mir jemand etwas vormachen. Möglicherweise bin ich einfach seltsam, aber in jedem Fall kann man sagen, dass ich wohl die besten Voraussetzungen mitbringe, um mich von all dem doch noch begeistern zu lassen. Und so viel sei schon mal verraten: Es funktioniert.

Warum wir mehr Clowns brauchen und wie ausgerechnet ich zu dieser Erkenntnis gelangt bin weiterlesen