Wählt weise und auch ein bisschen solidarisch

Auf der Straße vorm Haus treffe ich einen alten Bekannten und wir kommen rasch auf die anstehende Nationalratswahl zu sprechen. Eigentlich reden wir selten über Politik, ich vermeide das meistens. Ich bin nämlich sehr unsicher, was seine politische Einstellung betrifft, und ich habe bei ihm immer das Gefühl, dass das für uns nicht so gut enden könnte. Egal, jetzt ist es passiert und es ist gut so.

Er ist unheimlich grantig auf alle. Wirklich auf alle. „Das System“ und so. Besonders grantig aber, und das überrascht mich bei ihm ein bisschen, ist er auf jene Parteien, die gerne nach unten, auf die Schwächsten treten. Ich könnte jetzt lange und breit davon erzählen, es ist ein spannendes Gespräch zwischen Menschen, die in vielem unterschiedlich denken und trotzdem darüber reden können. Aber im Endeffekt läuft es darauf hinaus: Es tut uns allen und unserer Gesellschaft nicht gut, wenn wir Leute wählen, die den schlechter Gestellten sogar noch etwas wegnehmen wollen beziehungsweise ihnen nicht ein paar Brösel gönnen. Die dazu vielleicht auch noch ein wenig hetzen, weil das alleine nicht eh schon reicht. In so einer Gesellschaft wollen wir beide nicht leben. Und irgendwie sind wir, das mag böse klingen, ist aber nicht so gemeint, uns auch einig darin, dass ich als weitaus Jüngere von uns beiden mit den Folgen vermutlich ein paar Jahre länger leben müsste als er.

Zumindest ich bin der Meinung, dass ich mit meiner Stimme ebenso für jene sprechen sollte, die sich noch schwerer tun, ihre zu erheben.

Ich will und werde hier keine Wahlempfehlung abgeben, aber ich bitte doch jede(n) einzelne(n), sich vor der Stimmabgabe nochmal genau zu überlegen, wen er oder sie wählt und was das bedeutet. Nämlich auch, was das für andere bedeutet. Ich zumindest bin der Meinung, dass ich mit meiner Stimme ebenso für jene sprechen sollte, die sich noch schwerer tun, ihre zu erheben. Deswegen werde ich am Sonntag eine Partei wählen, der allem voran eine aufrechte Solidargemeinschaft und Chancengleichheit wichtig sind. Mit der es friedlich bleibt in dieser Gesellschaft, deren Teil ich bin.

Nutzt eure Stimme

Es gibt da auch noch diesen anderen Bekannten, der seit Tagen wie verrückt herumrennt, um seine Stimme zu suchen. Genauer gesagt seine Wahlkarte. Die hat sich zwar nicht in jenem Paket befunden, das der Post gestohlen wurden. Aber verloren ist sie durch einen… nennen wir es „Zustellungsfehler“… dennoch. Eine Stimme, die ihm verdammt nochmal zusteht, die er nun aber nicht abgeben können wird. Es ist also noch nicht einmal das Recht, überhaupt wählen gehen zu dürfen, das viele von uns viel zu wenig schätzen. Es ist eine ganz konkret wohl am Postweg verloren gegangene Stimme. Nutzt bitte wenigstens ihr eure Stimme. Geht wählen. Entscheidet weise und auch ein bisschen solidarisch. Danke.

Und wenn ihr nicht auf mich hört, dann hört wenigstens auf Hans Rauscher.

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