Alte Donau statt Hohe See: Eine Bootsfahrt in den Sonnenuntergang

Eine Bootsfahrt auf der Alten Donau, die kann einfach nur lustig sein… In meiner Vorstellung ist das Leben sowieso kaum irgendwo schöner als auf einem Boot. Als Mädchen hatte ich sogar eine Phase, in der ich unbedingt Muschelfischerin werden wollte. Wenn man den Sommer über Jahre hinweg bei den holländischen Freunden verbringt, die eben vom Muschelfang leben, ergibt sich das vielleicht zwangsläufig. Allerdings haben sie mir auch nur die besten Seiten gezeigt: Mal kurz ans Steuer dürfen, den Erwachsenen zuschauen, wie sie sich zum Tauchen ins Wasser runterlassen, im Becken, in dem normalerweise die Muscheln lagern, schwimmen, später sogar ein sonntägliches Picknick auf einer Sandbank machen – sagen wir so: Wenn wir Kinder mit aufs Schiff durften, ging es ausnahmsweise nicht um harte Arbeit. Einmal bin ich auf dem feuchten Boden ausgerutscht und seitdem ziert eine kleine Narbe meinen Unterschenkel. Die erinnert mich an eine wahnsinnig schöne Zeit, die ich mit lieben Menschen am Wasser verbringen durfte.

Die Hausboote in Amsterdam haben mich immer fasziniert und vor Jahren bin ich schließlich gemeinsam mit Freunden auf einem Hausboot durchs Elsass geschippert. Sehr gemütlich, sehr entschleunigend, sehr lustig. Segeln wäre auch mal so eine Sache, das hat leider bis heute nicht geklappt. Dafür war ich schon mit dem Schlauchboot im Nationalpark Donauauen und mit dem Motorboot in Budapest unterwegs. Ich mag Fähren lieber als Brücken und Stadtrundfahrten mit dem Boot lieber als mit dem Bus. In Städten, die am Wasser liegen, versteht sich. Städte am Wasser sind die tollsten. Ich mag die Trommelgeräusche der Drachenboote unter meinem Fenster und ich weiß dennoch nicht, warum ich mir schon sehr, sehr lange kein Boot mehr ausgeborgt habe, um die Alte Donau ausnahmsweise mal wieder nicht im, sondern am Wasser zu erleben. Jeden Sommer rede ich davon, aber irgendetwas kommt immer dazwischen.

Um mit dem Boot zu fahren, muss man erst einmal ein Boot finden

Dann schreibt mir meine Freundin R. Ob wir uns nicht ein Tretboot ausborgen wollen. Es ist ein schöner Nachmittag Mitte Mai und mit dem Auto ist sie schnell bei mir an der Unteren Alten Donau. Eine Bootsvermietung, die nur ein paar Gehminuten von mir entfernt liegt, hat nur diese fürchterlich kitschig beleuchteten, schwimmenden Inseln. Leider ein bisschen zu hochpreisig für uns und Tretboote werden wir dort ohnehin nicht finden. Also spazieren wir direkt zur Kagraner Brücke, werden aber enttäuscht. Bei Eppel Boote und Kukis Kombüse stehen wir jeweils vor verschlossener Türe. Schade, aber die Hauptsaison hat noch nicht begonnen und die Uhr zeigt 19:15 Uhr an. Trotzdem doof. Ich kenne aber noch einen guten Ort, an dem wir fündig werden könnten. Nur hat auch der Verleih der Segelschule Hofbauer inzwischen die Rollläden heruntergelassen. Wir würden jetzt sogar mit einem Sundowner am Ufer Vorlieb nehmen, doch wie so oft bei halbwegs sommerlichen Temperaturen ist leider kein Platz mehr frei.

Der Zufall führt uns schließlich an der Marina Hofbauer vorbei, ebenfalls an der Kagraner Brücke, gelegen. Tatsächlich sitzt dort noch jemand hinter dem Schalter, wir fragen zaghaft nach Booten. Klar, sie haben noch geöffnet, anscheinend als einzige hier zu dieser Jahreszeit um diese Zeit (ein heißer Tipp!), Tretboote sind genügend vorhanden, bis spätestens 21:30 Uhr müssen wir halt zurück sein.

Irgendwann klappt’s auch mit dem Navigieren

Der freundliche Mann, der die Boote ausgibt, weist uns die Nummer 22 zu. Glücklicherweise schaut er nicht hin, als wir erst einmal zu doof sind, rückwärts auszuparken, und anschließend fast zwei miteinander kämpfende Enten überfahren. Eigentlich überfahren wir sie tatsächlich, ich vergesse nur, dass Enten schwimmen können und schreie reflexartig auf. Die Navigation wird uns noch ganz schön zu schaffen machen. Irgendwann haben wir es zwar voll drauf, dafür lassen wir ständig die Lenkstange los, um Fotos zu machen. Oder einfach nur, weil wir abwechselnd vergessen, dass unsere Hände auf einer Lenkstange liegen. Es ist einfach bezaubernd, dieses Bootfahren auf der Alten Donau.

Für die lange Suche entschädigt uns nun ein prächtiger Sonnenuntergang. Dem fahren wir entgegen, ich fühle mich von Minute zu Minute entspannter und rede total viel. Was R. aber nicht stört, so muss sie weniger reden, sagt sie. Ich vermute aber, sie will nur höflich sein, ich bin wirklich anstrengend. 😉 Wir tuckern noch ein wenig in die eine Richtung und dann ein wenig in die andere Richtung, bevor wir stolz feststellen, dass das Einparken wesentlich besser funktioniert als zuvor das Ausparken. Wir haben aber wirklich viel geübt. Das Fischerboot unterwegs nicht gerammt, uns nicht in den Leinen verheddert, nicht die Absperrung zum Strandbad Alte Donau überfahren, sind nicht mit Segelbooten kollidiert,…

Breit grinsend steigen wir aus dem Boot, ziehen unsere Schuhe wieder an (kleiner Tipp: beim Treten wird’s ein wenig nass ;)), bezahlen unsere 16 Euro 50, den Abendtarif, und stellen fest, dass wir morgen keinen Muskelkater spüren werden. Wäre es nur darum gegangen, hätten wir auch das E-Boot nehmen können. Wollten wir aber nicht, Tretboote sind nämlich die tollsten. Okay, stimmt nicht ganz, alle Boote sind toll. Das Leben am Wasser ist toll. Wien ist toll.

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