Auf ins Stadtl(i)eben!

Manchmal wird einer schneller erwachsen, als ihm lieb ist. Oder in dem Fall: Eine. Schneller, als ihr lieb ist. Mit 34 Jahren am Buckel mag sich das einigermaßen seltsam anhören. Job passt, wobei Journalismus weniger ein Job, nicht mal wirklich ein Beruf, sondern vor allem eine Berufung ist. Superliebe Familie. Immer da, wenn man sie braucht. Und manchmal auch, wenn nicht (Bussis an meine Liebsten! ;)). Absolut liebe und treue Freunde, wie man sich keine besseren vorstellen könnte. Eine hübsche Wohnung, klein, aber fein. Ein Mini-Schreibtisch im Mini-Küchenverbau geht sich gerade noch aus. Was will Frau mehr? Blümchen am Balkon, die nach Jahren der Übung inzwischen sogar wachsen und gedeihen (die meisten davon). Klingt eigentlich erwachsen, oder?

Aber dann ist da diese eine Sache, die einem nach wie vor Angst macht: Beziehung. Für viele das Schönste auf der Welt. Für mich etwas, das meine Freiheit einschränken könnte. Das mich vielleicht ja dazu bringen könnte, mich zu verändern, gar zu verbiegen. Gefahr! Alarm! Da hält man sich jahrelang lieber an Männer, die einem von Anfang an zumindest irgendwie signalisieren: Was Festes kann das mit uns aber nie werden! Natürlich erhoffst du dir insgeheim, dass es sehr wohl was wird. Dass sie deinen Wert erkennen und sich doch noch in dich verlieben. Immerhin öffnest du dich anderen ohnehin nicht sehr leicht. Das müsste ihnen doch bewusst sein? Oder? Dein Vertrauen muss Mann sich erst verdienen. Hat er es sich verdient, beweist du ihm, dass du es wert bist, könnte er doch merken, dass du die Eine sein könntest. Oder? … Oder nicht?

So ward eines Tages die Froschkönigin geboren. Umgeben von Fröschen, die sie gleichzeitig mag und verabscheut. In dem Wissen, dass sie sich niemals in Prinzen verwandeln werden… Oder vielleicht doch? Der Satz „Hach, Männer, alle gleich…“ brennt sich ebenso in dein Hirn ein, wie „Warum passiert das immer mir?!“… gepaart mit vielen Tränen, versteht sich.

Plötzlich erwachsen

Und plötzlich wirst du erwachsen. Oder besser: Du wachst auf. Also nicht über Nacht, nicht von heute auf morgen. Es ist ein kleines Samenkorn, das sich in deinem Hirn einnistet und sich dort ausbreitet. Das Beziehungs-Erwachsensein-Gen quasi. Plötzlich sitzt du mit einem jener Männer, der dir zwei Jahre zuvor so unendlich weh getan hat, im Café. Es ist ein nettes Gespräch, es ist mehr als okay. Aber: Es ist nichts. Kein Gefühl. Gar nichts. Ein schönes Gefühl!

Dann verlierst du plötzlich nacheinander zwei Menschen, die dir viel bedeutet haben. Einen im März, einen im Juli. Beide verpissen sich einfach. Viel zu unerwartet, viel zu plötzlich. (Es ist natürlich immer zu unerwartet und zu plötzlich.) „Zwei der menschlichsten Menschen“, die du je kennengelernt hast, wie du danach immer wieder betonen wirst. Wie es ohne sie weitergehen soll: keine Ahnung. Aber es wird, es muss. Nach dem ersten Schock macht sich vor allem ein Gedanke breit: Von Herzen danke, dass es euch Zwei in meinem Leben gegeben hat! Danke für das, was ihr gewesen seid, wie ihr gewesen seid. Wie ihr zu mir gewesen seid. Bitte habt gemeinsam Spaß „da oben“ oder wo auch immer! Trinkt ein Himmelsbier auf mich und denkt manchmal an mich. Mein Schluckauf wird es mir mitteilen. Ja, es wäre weniger schmerzhaft, hätten wir uns nur flüchtig oder gar nicht gekannt. Aber dann hätte mir in meinem Leben so unendlich viel gefehlt.

Was dann kommt: Das Wissen darum, dass es tatsächlich von heute auf morgen vorbei sein kann. Die Einsicht, dass ich am Ende nichts bereuen will. Dass ich JETZT lebe und nicht erst morgen oder übermorgen. Die Erkenntnis, dass alte Freunde immer da sind, wenn du sie brauchst. Dass du es einfach nur sagen oder zumindest zeigen musst. Dass Missverständnisse unter Freunden in Wahrheit so einfach aus dem Weg zu räumen sind. Dass ganz schleichend immer wieder neue Freunde in dein Leben getreten sind. Menschen, die nicht davor zurück geschreckt sind, sich dein Vertrauen zu „erarbeiten“. Die auch in deinen dunklen Stunden für dich da sind. Zwischen denen und dir möglicherweise eines Tages ebenso ein kleines oder größeres Hindernis auftauchen könnte. Das ihr dann allerdings wie Erwachsene gemeinsam aus dem Weg räumen könnt. Menschen, Freunde, die dich ablenken, wenn du es brauchst. Die die Zeit mit dir so genießen, wie es umgekehrt der Fall ist. Die mit dir durch dick und dünn gehen. Die dir wieder zeigen, was Leben ist. Die mit dir die Stadt unsicher machen. Die dich dazu bringen, dich mitreißen zu lassen oder auch sie mitzureißen, wenn du doch eigentlich arbeiten müsstest. Wie eh immer, weil es doch immer was zu tun gibt. Weil man Dinge doch aufschieben kann.

Ich hab‘!

Fakt ist: Freunde und Familie bzw. Zeit mit ihnen kannst du nicht wirklich aufschieben. Aufschieben solltest du höchstens ein Fenster. Zeit ist endlich. Und du kannst noch so ein guter Mensch sein, auch dann bewahrt dich das nicht davor, weit vor dem Pensionsalter abtreten zu müssen. Möglicherweise. Wenn es eines Tages so weit ist (nach dem Pensionsantritt wäre es freilich schöner), dann willst du nicht auf dein Leben zurück blicken und dir denken: Ach hätte ich doch nur… Nein, dann willst du getrost sagen können: Ich hab‘!

Weil die kleine Froschkönigin also so langsam, aber doch erwachsen geworden ist, lasst euch sagen: Genießt euer Leben. Macht das Beste draus, was für euch möglich ist. Lebt so, wie ihr es euch erträumt. Reist. Lebt. Liebt. Da sich das in meinem Leben hauptsächlich in der Stadt abspielt (<3 Wien) –> Stadtl(i)eben.

„Ach, sind doch eh alle Männer gleich“ spielt es auf dieser Seite des Bildschirmes längst nicht mehr. Die Stadt hat so viel zu bieten. Auch tolle Männer übrigens. Die, die auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt die aufregendsten, coolsten, schönsten sind. Aber die, die dir eine Art von Sicherheit geben. Die, an denen du dich anlehnen, die du küssen willst, die du am liebsten ständig um dich hättest. Okay, fast ständig, Freiheit ist wichtig. Auch die erwachsene Froschkönigin liebt ihre Freiheit. 😉

Unverhofft kommt… manchmal

Moment mal… Hätte ich diesen Blogbeitrag wenige Tage zuvor verfasst, hätte ich hier noch anderes geschrieben. Nämlich, dass ich zum ersten Mal seit vielen Jahren ganz ehrlich davon überzeugt bin, alleine wirklich glücklich zu sein. War ich. Bin ich noch. Aber dabei habe ich übersehen, dass sich ein Mann schon lange in mein Herz gespielt hat. Einer, den ich praktisch jahrelang regelmäßig habe gegen die Wand laufen lassen. Weil ich Angst hatte. Weil er mir im Gegensatz zu anderen wirklich viel bedeutet. Weil einer wie er und eine wie ich möglicherweise wirklich Potenzial haben könnten. Weil… ja, Angst. Blöd, wenn einem das genau dann klar wird, wo man nicht mehr sicher ist, ob man den anderen nun nicht verloren haben könnte.

Vertrauen muss auch die Frau hier sich verdienen. Daran arbeitet sie, auch so viel sei gesagt. Dazwischen liegen schlaflose Nächte, ein Nahrungsmittel verweigernder Magen, eine Schmetterlingsplantage im Bauch. In dem Sinne: Augen zu und durch. Ertragen, dass ich nun vielleicht selbst gegen die Wand laufe, die ich über die Jahre so mühselig aufgebaut habe. Und versuchen, sie zu durchbrechen. Nicht mit dem Vorschlaghammer, sondern nach und nach, Stück für Stück.

Und dazwischen: Die Stadt spüren, genießen, das Leben leben.

Rose _ c Sabine Karrer

Für euch beide! Danke für alles! Von Herzen! <3

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