PROLOG: Herr Alfred und die Geisterfahrer

Sind Sie schon einmal auf der Autobahn gefahren und plötzlich ist Ihnen ein Auto entgegen gekommen? Herrn Alfred passiert das ständig. Ein Auto, zwei Autos, 100 Autos. Warum die alle in die falsche Richtung fahren, versteht Herr Alfred nicht. Er ist jedenfalls nicht neben der Spur, das weiß er. Ständig muss sich Herr Alfred über die anderen wundern. Den Kopf schütteln. Und brüllen.

Herr Alfred ist bekennender Choleriker. Er hat auch die erste Choleriker-Selbsthilfegruppe Wiens gegründet. Die ist bei ihm zu Hause und hat bisher ein Mitglied: ihn. Die Geisterfahrer, das sind die anderen. Die Linkslinken. Die Gutmenschen. Die Willkommensklatscher. Die Ausländerversteher. Die Ausländer selbst sowieso. Die Alternativen. Die Linksversifften. Die Berufsdemonstranten. Die Roten. Die Grünen. Die Neos. Die Kommunisten. Wahrscheinlich auch die ÖVP. Der Faymann. Dass der Faymann nicht mehr Bundeskanzler ist, hat Herr Alfred noch immer nicht verkraftet. Über den Kern, da kann er sich nicht so aufregen. Aber er wird schon etwas finden. Herr Alfred muss sich aufregen, sonst zerplatzt er. Frauen. Männer. Kinder. Menschen. Alle deppert, außer ihm.

Herr Alfred ist der Nachbar aus der Hölle

Vermutlich mag Herr Alfred auch keine Tiere. Wir Nachbarn vermuten: Er mag nicht einmal seine Vögel. Davon hat er mehrere. Also Wellensittiche. Die kacken in ihre Käfige, vielleicht auch auf den Teppich oder auf die Couch, aber wenigstens widersprechen sie nicht, wenn er sie anschreit. Herr Alfred schreit einfach gerne und viel. Das war schon immer so, damals am Fußballplatz und später in der Firma. Jetzt ist er in Pension, naja, das ist nicht schön. „De Auslenda“ wollen ihm den Job wegnehmen, ist er sicher. Pensionisten! Die können ja nicht alle Pensionisten werden! Was wird denn dann aus ihm! Herr Alfred hat Angst.

Seine Frau mag Herr Alfred auch nicht besonders. Aber er hat sie eben irgendwann geheiratet, was soll er machen. Wenigstens kocht sie. Und putzt. Und sie versteht ihn, die Frau Alfred. Er redet auch laut genug. Eine bessere, das weiß er, findet er nicht.

Herr Alfred ist der Nachbar aus der Hölle. Wir leben seit zehn Jahren Tür an Tür. Jeder Tag ist einer zu viel. Aber wenn ich Herrn Alfred schon nicht loswerden kann, dann mache ich ihn jetzt wenigstens berühmt. Die Recherche spielt sich in meinem Wohnzimmer ab: Wer ist dieser Herr Alfred? Mag er wirklich niemanden? Und warum wird er niemals heiser? Herr Alfred gegen den Rest der Welt – bleiben Sie dran.

 

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