Urlaub im Kloster: Gummifrösche und polnische Zeitungen

In den letzten Wochen ist mir alles ein wenig über den Kopf gewachsen. Kein Mensch kann ständig nur arbeiten. Und weil ich mich inzwischen gut genug kenne, um wenigstens im letzten Moment zu erkennen, wann ich knapp davor bin, durchzudrehen, habe ich ein Machtwort gesprochen. Bis zum Toskana-Urlaub im Sommer dauert es mir noch zu lange, also mussten ein paar Tage Spontan-Auszeit her. Inklusive auf den Körper hören und so… Inzwischen ist mir wenigstens bewusst, wie sehr ich dem armen, 33-jährigen Fleisch-Knochen-Muskel-Fett-Gebilde mit jeder Zigarette, die ich rauche, und mit jedem Gramm ungesättigter Fettsäuren, die ich in mich hinein schiebe, schade. Immerhin. Mein Körper und ich nähern uns langsam wieder an. Und bekommen ein paar Tage Urlaub mit langen Spaziergängen, gesundem Essen und viel Schlaf.

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Zug-Entertainment

Damit sich auch die Seele freut, mache ich den Trip ins schöne Kärnten ganz alleine. Mein erstes Mal sozusagen. Nicht, dass ich meine Freunde nicht gerne um mich hätte, aber es gibt Dinge, die muss Frau alleine erleben. Zum Beispiel eine viereinhalbstündige Zugfahrt mit Gummifröschen (die mich in erster Linie davon abhalten, heimlich aufs Klo zu verschwinden und dort zu qualmen) und polnischen Zeitungen (leider, ich verstehe sie nicht, ich werde nicht einmal aus den meisten Bildern darin schlau… Aber dafür könnt ihr euch vorstellen, in welchem Zustand sich das Zugklo befindet, denn seit der Abfahrt dürfte es noch keinen Putzlappen gesehen haben…). Glücklicherweise gibt es Steckdosen. Und wenigstens von Zeit zu Zeit Internetempfang. Und mein Buch. (Notiz für mich: Gleichzeitig schreiben und dabei unaufmerksam auf Gummifröschen herum kauen funktioniert nicht; für die Heimreise dann besser Marshmallows kaufen.) Ich musste nicht viel reden, danach ist mir gerade so überhaupt nicht. (Notiz an mich: Wieso habe ich mich eigentlich für ein laut Website weltoffenes Kloster mit Gästehaus und nicht für die Hardcore-Variante mit Schweigegelübde entschieden?) Wie gut, dass ich das Abteil die meiste Zeit für mich hatte.

In einer halben Stunde darf ich endlich in Villach aus dem Zug steigen, eine rauchen, mir ein Taxi suchen und mich zu meinem Kloster-Gästehaus kutschieren lassen. Und morgen fange ich dann wieder an, die Welt zu erobern. Mich für mehr als die Landschaft zu interessieren, die draußen an mir vorbei zieht. Bäume ausreißen sollen dicke Männer mit Bärten. Mir reichen für’s Erste einmal Gräser und Sträucher.

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