Meine Mama, eine Weltfrau

Vor genau einem Jahr habe ich an dieser Stelle über meine Oma geschrieben, die längst nicht mehr unter uns weilt. Meine Mama tut es glücklicherweise. Sie hat, sagen wir mal so, sehr viel von ihrer eigenen Mutter geerbt. Wenn sie jemanden gern hat, dann gibt sie ihr letztes Hemd für diesen Menschen. Wenn ihr eine Sache wichtig ist, dann kann sie die ganze Familie wirklich jeden damit nerven. Wenn jemand sie enttäuscht, dann versucht sie zu retten, was vielleicht noch zu retten ist. Wenn nichts mehr zu retten ist, dann ist sie nachtragend. Aber das ist in Ordnung. Alles andere würde mir Angst machen.

Ich will nicht wissen, wie oft ich selbst meine Mamsch schon enttäuscht habe. Hey, ich werde in ein paar Tagen 33, ich glaube, da ist einiges dabei, was mir leid tun könnte. Und tut. Dass ich mich als Teenager von ihr abgenabelt habe, war nur logisch. Und gesund. Wie weh das in Wahrheit tun kann, werde ich wohl erst erfahren, wenn es mir selbst vielleicht eines Tages vergönnt sein sollte, selbst ein Kind großzuziehen. Dass der Prozess notwendig ist, hat meine Mamsch vermutlich alleine deshalb gewusst, weil ihre eigene Mutter ihr diesen damals nicht unbedingt vergönnt hat.

Leben lassen

Was soll ich sagen… Ich habe eine Mama, die sich manch‘ andere nur wünschen könnten. Sie würde wirklich alles für mich tun. Und ich befinde mich in latenter Abwehrhaltung, weil ich ja alles alleine schaffen möchte. Einer der Leitsprüche meiner Mamsch lautet: „Geht nicht, gibt’s nicht.“ Ich finde das bewundernswert. Wirklich! Und auch, wenn sie manchmal nerven kann, so wie jede Mutter es tut, dann kann ich gar nicht oft genug betonen, wie lieb ich sie habe. Wie sehr sie mich doch sein lässt, wie ich bin. Mir meinen eigenen Lernprozess zugesteht und zutraut.

Ich bin mit einem offensichtlichen Vollidioten zusammen? Nie wäre es ihr eingefallen, mir zu sagen, wie daneben sie denjenigen findet. Bei keinem! 😉 Aber im Nachhinein ist sie es, die meine Tränen trocknet. Immer wieder. Und ich erinnere mich noch zu gut an den Moment, an dem sie mich aus dem Tiefschlaf geklingelt hat, weil wir verabredet waren. Mich bei dem einen Kerl vermutet hatte. Ganz lieb meinte: „Ist schon okay, grüß‘ mir xy schön.“ Ich so: „Ähem, ich bin bei yx, aber… ähem…“ Sie so: „Oh. (Stille.) Na dann grüß‘ mir yx eben schön.“ Ja, ich kann nicht lügen. Das wurde mir nie beigebracht. Schon gar nicht von ihr. Und sie lebt damit. Egal, ob es ihr gefällt oder nicht. Sie hat sogar einmal zu mir gesagt: „Natürlich bin ich froh, dass der nicht mein Schwiegersohn wird. Aber wenn es so gewesen wäre, dann wäre es auch okay gewesen.“

Wir Hexen

Dass ich mein Herz am rechten Fleck trage, habe ich auch zu einem großen Teil dieser Frau zu verdanken. Dass mich manche vielleicht sogar bis heute gerne als Hexe verbrennen würden, weil ich „anders“ bin, vielleicht auch. „Du bist eine Hexe!“ – das hat tatsächlich einmal ein Ordenspriester meiner Mama nachgerufen. Lange Jahre war es ein Running Gag in unserer Familie, dass wir uns gegenseitig Hexenfiguren geschenkt haben. „Wo ist der Hexenbesen? Ich muss weg!“ – ja, wir haben Tränen gelacht. So traurig es auch war. Ich bin stolz darauf, dass wir Karrer-Frauen eben anders sind. Ich will es gar nicht anders haben.

Sie hat es schon richtig gemacht, meine Mamsch. Gemeinsam mit meinem Papa, der so eine starke Frau auch erst einmal mehr als 40 Jahre „aushalten“ musste. Ganz ehrlich, einfach ist anders. Ich hoffe, dass ich eines Tages auch einen Mann kennen lerne, der mit mir so umgehen kann, wie es mein Papa mit meiner Mama kann. Nicht einen, der genauso ist, wie er (verdammtes Klischee). Einen mehr oder weniger „fertigen“ wünsche ich mir. So sehr ich meinen Papa liebe, aber als er meine Mama mit 18 oder so kennengelernt hat, war sie sicher nicht annähernd so weit, wie sie es heute ist. Und wie ich es mit fast 33 Jahren bin. Heute braucht es schon mehr. Also für mich.

Unsere Mütter

Zum Weltfrauentag am 8. März möchte ich daher allen großen, starken Frauen gratulieren, die uns „Nachwüchslerinnen“ zu dem gemacht haben, was wir sind. Natürlich sind das nicht nur unsere Mütter, aber sie haben doch viele von uns entscheidend geprägt. Und letztlich muss uns (auch wenn wir das größte Vorbild direkt vor Augen haben) bewusst sein, dass wir es selbst sind, die aus uns das machen, was wir sein wollen. Das, was wir sind. Ich weiß, dass meine Mamsch verdammt stolz auf mich ist. Egal, was ich tue und was ich jemals tun werde. Auch wenn wir streiten, weil ich meine Meinung habe und sie ihre hat. Ich liebe sie und sie liebt mich. Letztlich ist es doch das, was zählt. Entgegen alle Konventionen.

c privat

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6 Gedanken zu „Meine Mama, eine Weltfrau“

  1. Zutiefst gerührt! 😉
    Schön, dass Du das so siehst! Und „Freude“, dass Du schon mitten auf diesem Weg bist zur nächsten „starken Karrer-Frau“. Du warst schon von klein an ein ganz besonderes Persönchen. Weiter so!
    Deine Mamsch

    1. Auch wenn sie’s nur allzu oft übertrieben hat: In den Ansätzen hat deine Mama und meine Oma uns doch ganz viel Gutes mitgegeben. 😉 Und danke für das „ganz besondere Persönchen“. :-*

  2. Ein wunderschönen Text, da kamen mir doch glatt ein bisschen die Tränen. Ich freu mich sehr für dich und deine Mamsch dass ihr einander habt und das zu schätzen wisst. Ich habe meine Mama leider bereits als Kind verloren (an eine böse Krankheit namens K…) und oft Frage ich mich, wie unser Verhältnis heute wohl wäre, wie sie wohl wäre, und ob ich mich anders entwickelt hätte wenn sie wohl da gewesen wäre. Lass uns diesen Tag unseren Müttern widmen, so unperfekt oder perfekt sie auch sein mögen, ob sie noch da sind oder nicht mehr! Mama, ich vermisse dich aber ich vergesse dich nicht!!

    1. Oh, jetzt hab‘ ich glatt selbst ein paar Tränchen in den Augen. 🙁 Ist zwar nicht vergleichbar, aber mein Papa hat seine Mutter auch als Kind verloren und sogar ich frage mich manchmal, wie meine Oma väterlicherseits so war. Was gewesen wäre, wäre sie nicht so früh gestorben. Ob wir vieles gemeinsam hatten oder nicht. Ich hoffe, du kannst deine Mama genau so in Erinnerung behalten, wie sie war. Also ich bin überzeugt davon, dass du es tust. Und auch, wenn ich dich so wenig gut kenne bis jetzt: Sie wäre sicher extrem stolz auf dich!!

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