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Warum vor Trickbetrug niemand sicher ist – und wie man sich und andere trotzdem schützen kann

In ihrem Blog schreibt Christa Chorherr, wie sie einem Trickbetrug zum Opfer gefallen ist. Nach allem, was ich weiß, ist es eher ungewöhnlich, dass jemand so offen darüber spricht (beziehungsweise schreibt) wie sie. Viele reden gar nicht darüber und manche gehen vielleicht noch nicht mal zur Polizei. Warum? Scham, unendlich große Scham. Einer unserer Donaustädter Grätzlpolizisten hat mir erst im Frühjahr erzählt, dass manche Opfer von TrickbetrügerInnen daran förmlich zerbrechen. Das ist auch nachvollziehbar. Stellen wir uns vor, wir hätten ein Leben lang gespart, vielleicht gab es auch das eine oder andere Familienerbstück, an dem wir hängen – und plötzlich ist alles weg. Vermeintlich sogar aus eigenem Verschulden, denn wer ist schon so „doof“ und fällt auf einen Trickbetrug herein? Ganz ehrlich: Ich glaube, dass uns das unter gewissen Umständen einfach allen passieren könnte! Nichts daran ist irgendwie doof, auch wenn es sich noch so sehr danach anfühlen mag.

Ich bin selbst vor nicht allzu langer Zeit in eine vergleichbare Situation geraten. Ich weiß nicht mehr, warum, aber (und das war eine besonders glückliche Fügung) meine Mutter und ich waren zu Zweit zur Stelle und selbst gemeinsam haben wir uns wirklich schwer getan, gegen diese Person anzukommen. Es war ziemlich sicher auch kein Trickbetrüger wie im Fall von Christa, aber ganz sicher bin ich bis heute nicht, wie das hätte ausgehen können.

Vermeintlicher(?) Weinhändler mit Rollköfferchen

Jedenfalls hat die damals schon über 90-jährige Nachbarin meiner Eltern, die wir alle seit Jahrzehnten sehr gut kennen, meine Mutter angerufen oder umgekehrt. Meine Mutter war etwas verunsichert, weil die Nachbarin damals schon sehr dement war, alleine schon auf Grund ihrer Medikamente keinen Alkohol mehr trinken durfte (und eigentlich auch davor nur selten mal ein Glas Wein getrunken hat), aber irgendetwas von Weinverkostung erzählt hat. Dass sie unten auf der Straße vorm Haus stehe (alleine ist sie zu diesem Zeitpunkt auch gar nicht mehr vor die Türe gegangen) und auf den Mann wegen der Weinverkostung warte, weil der nicht zur ihr finde (was für ein Glück!). Wir sind also zu Zweit runter zur Nachbarin gegangen und waren beide sichtlich verunsichert. Mama hat versucht, herauszufinden, was es mit dieser Weinverkostung zu tun hat, da ist schon ein junger Mann mit Rollköfferchen aufgetaucht. Der Weinhändler also. Hat ganz freundlich gewirkt und sich von Mamas vorsichtig geäußerten Zweifeln nicht beirren lassen. Die Nachbarin hätte ja die Weinverkostung bestellt… aha, Alkohol geht nicht… aber okay, er habe auch Säfte dabei und als Geschenk vielleicht… und sie dürfe ja wohl selbst entscheiden, was sie mache… So sind wir dann zu Dritt im Aufzug und schließlich oben im Stiegenhaus gelandet.

Die richtigen Worte zu finden und das Richtige zu tun, ohne übergriffig zu werden, ist oft gar nicht so einfach.

Und jetzt kam die eigentliche Challenge: Erklärt ihr mal vor einer absolut liebenswürdigen alten Dame, die spürbar selbst verunsichert war, es sowohl diesem (vermeintlichen?) Vertreter und uns recht machen wollte, dass sie durch ihre Demenzerkrankung eben nicht mehr in der Lage ist, solche Entscheidungen zu treffen, ohne sich in Gefahr zu begeben. Selbst in dem Fall, dass es zu diesem Zeitpunkt schon eine Erwachsenenvertretung für sie gegeben hätte, hätten wir uns wohl beide sehr schwer getan. Denn einem alten Menschen einfach mal so die Eigenständigkeit abzusprechen und das noch dazu in einer Situation, wo dieser Mensch ohnehin schon überfordert ist, das geht einfach nicht. Die richtigen Worte zu finden und das Richtige zu tun, ohne übergriffig zu werden, ist oft gar nicht so einfach.

Immer wieder das Drängen Richtung Wohnung

Ich erinnere mich, wie meine Mama im Stiegenhaus tief Luft geholt und dem fremden Mann nochmal eindringlich erklärt hat, dass das jetzt eine schwierige Situation ist und dass er das ja wohl selbst merkt. Wie wir abwechselnd versucht haben, zu argumentieren und zu verhindern, dass wir der Wohnungstüre noch näher kommen. Wie wir immer und immer wieder gesagt haben, dass alleine schon die Sache mit den Medikamenten eine Weinverkostung wohl ohnehin obsolet machen würden. Und dass die Nachbarin sich auch nur dunkel erinnern konnte, vielleicht mit der Chefin telefoniert zu haben und jetzt nicht diese, sondern er hier stehe. Der Kerl hat sich von all dem überhaupt nicht beirren lassen, hat immer wieder in Richtung Wohnung gedrängt und ist uns beiden gegenüber immer patziger und unfreundlicher geworden. Wer wir denn überhaupt seien und was wir uns einbilden würden…

Den psychischen Druck nicht unterschätzen

Der psychische Druck war immer noch nicht annähernd so groß wie in der Situation, die Christa Chorherr passiert ist. Und ich will das auch gar nicht vergleichen. Aber der Druck war schon bei uns recht groß. Und wir waren immerhin zu Dritt, also eigentlich zu Zweit… Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn ich diesem Typen alleine gegenüber gestanden wäre. Sicher hätte ich es versucht und dann gleich mal meine Mutter angerufen, weil sie in solchen Momenten immer am besten weiß, was zu tun ist. Oder ich hätte die Polizei gerufen, aber bis dahin wäre der Kerl zumindest schon in der Wohnung gewesen und für die Nachbarin wäre zumindest der psychische Druck vermutlich noch viel schlimmer geworden.

Nach diesem Vorfall habe ich mit dem Sohn der Nachbarin telefoniert und er hat gemeint, er werde einen anwaltlichen Brief an die Firma, die es übrigens tatsächlich gibt, schicken. Ich habe auch in einer Facebook-Gruppe darüber geschrieben und prompt haben mir gleich mehrere Personen mitgeteilt, dass ihnen beziehungsweise betagten Angehörigen Ähnliches schon passiert sei und dass wir absolut richtig reagiert hätten. Eine Dame hat mir auch eine Nachricht geschrieben, ob es sich zufällig um die Firma xy handle, sie hätte da auch schon solche Erfahrungen gemacht. Tatsächlich war es Firma xy und das Ziel dürfte wohl sein, dass die Betroffenen Weinabos oder Ähnliches abschließen. Trickbetrug im klassischen Sinne möchte ich keinesfalls unterstellen, auch wenn ich den Namen der Firma ohnehin nicht nenne. Dennoch wird auch in solchen Bereichen durchaus mit psychologischem Druck gearbeitet und es wird offenbar eine gewisse Hilflosigkeit ausgenutzt. Ich habe die Firma auch nicht angezeigt, obwohl ich überlegt hatte. Was hätte ich in diesem Fall auch konkret anzeigen sollen?

Wir waren heilfroh, dass der Kerl nach ca. 20-minütiger Diskussion im Stiegenhaus letztlich sichtlich angepisst und widerwillig endlich doch in den Aufzug gestiegen ist (den ich ihm glaube ich sogar gerufen habe, quasi um ein zusätzliches Zeichen zu setzen). Auch die Nachbarin hat sich danach bedankt und war sichtlich erleichtert. Wir haben ihr auch nochmal gesagt, dass sie bitte jederzeit uns rufen darf und soll, sollte sowas jemals wieder vorkommen. Ein paar Monate nach diesem Vorfall musste sie übrigens in ein Pflegeheim übersiedeln, weil die Demenz so schnell fortgeschritten ist.

Ein wichtiger Tipp und warum gute Nachbarschaft so wichtig ist

So und damit habe ich jetzt nach zwei Jahren endlich wieder einen Blogbeitrag geschrieben, weil mir das Thema nach der Lektüre der beiden Blogbeiträge von Christa Chorherr dermaßen auf der Seele gebrannt hat. Was für mich übrigens absolut neu war: Ihr wurde nach langem Hin und Her und offensichtlichen Zweifeln gesagt, sie könne ja 133 anrufen. Dass es möglich ist, da eine Fangschaltung zu hinterlegen, sodass die Betroffene erst recht wieder zu den gleichen Leuten gekommen ist, wusste ich nicht. Daher ist das ein wirklich guter Tipp, solltet ihr jemals in eine ähnliche Situation wie Christa am Telefon(!) kommen: 133 anrufen, wieder auflegen und dann nochmal die 133 wählen. (Ergänzung: Das betrifft wirklich nur die Situation, wie Christa sie in ihrem Blog beschreibt; ihr sollt jetzt selbstverständlich nicht jedes Mal die 133 zwei Mal wählen. ;))

Noch eine Ergänzung – der vermutlich beste Tipp nämlich: Gebt AnruferInnen niemals Auskunft über eure finanzielle Situation und lasst euch auf so ein Gespräch erst überhaupt nicht ein – die echte Polizei würde niemals so agieren.

Und was in der Situation, die ich oben beschreibe, einfach unheimlich geholfen hat: Dass die Nachbarschaft gut funktioniert. Dass man einander kennt und dass es in unmittelbarer Umgebung Menschen gibt, die für einen da sind. Beziehungsweise dass wir generell aufmerksam sind, wenn uns etwas seltsam vorkommt. Das Bauchgefühl täuscht uns eher selten – und wenn wir gerade nicht selbst betroffen sind, können wir auch ganz anders reagieren, als wenn wir gerade selbst so massiv unter Druck gesetzt werden, denke ich mir.

Christa Chorherr danke ich für die Offenheit, mit der sie über das Geschehene berichtet hat. Ich hoffe, dass sie den Schock gut verdaut und dass durch ihre Geschichte wenigstens andere gewarnt sind. Und natürlich hoffe ich, dass die Täter samt Beute gefunden werden, auch wenn ich da selbst eher skeptisch bin.

Hier nochmal die beiden Blogbeiträge von Christa zum Nachlesen:

Warum wir mehr Clowns brauchen und wie ausgerechnet ich zu dieser Erkenntnis gelangt bin

Als ich vor dem Wiener Circus- und Clownmuseum stehe, bin ich fast ein bisschen nervös. Zirkus war nie so mein Ding und bei Clowns denke ich zwangsläufig an „Pennywise“, den Gruselclown aus Stephen Kings „Es“. Das Schicksal meiner Generation. Zudem zaubern Andreas und Michael Swatosch, die angeboten haben, mir das Museum zu zeigen, auch noch. Zauberei, Magie und Illusion lösen in mir automatisch das Gefühl aus, als würde mir jemand etwas vormachen. Möglicherweise bin ich einfach seltsam, aber in jedem Fall kann man sagen, dass ich wohl die besten Voraussetzungen mitbringe, um mich von all dem doch noch begeistern zu lassen. Und so viel sei schon mal verraten: Es funktioniert.

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Eine sehr lange Nacht der Museen

Die Nacht gehört uns. Und den Museen. „Sehr spannende Sachen gibt’s da“, stelle ich nach der ersten Vorbereitungsrunde fest. „Hab eh nur mal die 20 coolsten rausgesucht.“ Er lacht und verkleinert auf sieben oder acht. „Die sind vielleicht noch halbwegs realistisch.“ „Grobauswahl“, grinse ich. „Es war nur eine GROBAUSWAHL!“ Und speichere die verbliebenen Adressen in Google Maps ein. Für mich ist es übrigens die erste „Lange Nacht der Museen“ in Wien. Erstaunlich, weil es die in Wien seit bald zwei Jahrzehnten gibt. Ist aber so.

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Alte Donau statt Hohe See: Eine Bootsfahrt in den Sonnenuntergang

Eine Bootsfahrt auf der Alten Donau, die kann einfach nur lustig sein… In meiner Vorstellung ist das Leben sowieso kaum irgendwo schöner als auf einem Boot. Als Mädchen hatte ich sogar eine Phase, in der ich unbedingt Muschelfischerin werden wollte. Wenn man den Sommer über Jahre hinweg bei den holländischen Freunden verbringt, die eben vom Muschelfang leben, ergibt sich das vielleicht zwangsläufig. Allerdings haben sie mir auch nur die besten Seiten gezeigt: Mal kurz ans Steuer dürfen, den Erwachsenen zuschauen, wie sie sich zum Tauchen ins Wasser runterlassen, im Becken, in dem normalerweise die Muscheln lagern, schwimmen, später sogar ein sonntägliches Picknick auf einer Sandbank machen – sagen wir so: Wenn wir Kinder mit aufs Schiff durften, ging es ausnahmsweise nicht um harte Arbeit. Einmal bin ich auf dem feuchten Boden ausgerutscht und seitdem ziert eine kleine Narbe meinen Unterschenkel. Die erinnert mich an eine wahnsinnig schöne Zeit, die ich mit lieben Menschen am Wasser verbringen durfte.

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Auf ein Bier im Bockshorn, Wiens ältestem und kleinstem Irish Pub

Es ist so: Man trifft sich auf ein Bier und dann werden es zwei, drei oder vier. Oder habt ihr euch ernsthaft schon mal für „ehrliche drei Bier“ verabredet? Ist aber im Endeffekt auch egal, so lange die Begleitung, das Lokal und somit der Abend nett sind. Tipps, wie ihr eine angenehme Begleitung für euren Bierabend findet, kann ich euch jetzt nicht geben (obwohl.. naja vielleicht ein andermal ;)), aber beim Lokal kann ich dafür weiterhelfen: Lasst euch ausnahmsweise mal ins Bockshorn jagen. Und zwar nicht im Sinne von „sich einschüchtern lassen“, logisch, sondern im Sinne von „Lasst euch ein bisschen verwirren“.

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Unterwegs auf den Steinhofgründen: von der Otto-Wagner-Kirche über die Jubiläumswarte zur Villa Aurora

Auf der Suche nach Ruhe vom Großstadtlärm habe ich die Steinhofgründe entdeckt. Geplant war eigentlich nur ein Ausflug zur Kirche am Steinhof, aber dann war es dort so schön, das Wetter hat gepasst, also sind wir einfach geblieben und haben die Gegend erkundet.

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