Archiv der Kategorie: leben

Ich klick dich dann mal weg

Apps wie „Who unfollowed me“ verständigen mich, wenn mich zum Beispiel bei Twitter jemand entfolgt oder blockiert. Ich schmunzle immer ein bisschen über solche Anwendungen, denn mich interessieren Entfolgungs- und Blockier-Aktionen von mehr oder weniger Fremden gar nicht. Anders ist es bei Menschen, die Teil meines „realen Lebens“ sind, die vielleicht sogar durch Twitter und Co erst dazu geworden sind. Bei denen schmerzt ein plötzliches „Tschüß“ ohne „Tschüß“ zu sagen natürlich sehr. Leute, die ich zu meinen Freunden, guten, lieben beziehungsweise geschätzten Bekannten zähle und die das umgekehrt auch machen, sollten sich nicht klammheimlich aus dem Staub machen. Sollten. Kommt leider trotzdem vor.

Ich klick dich dann mal weg weiterlesen

Achterbahn der schrägen Dinge

Ich bin einfach glücklich… Oops, hab ich das gesagt?“ Meine Bekannte schaut mich verwundert an. „Naja, es ist nicht so, dass ich nie glücklich wäre, aber der Satz ist mir schon lange nicht mehr über die Lippen gekommen“, lache ich. Im Moment fühle ich mich tatsächlich so, als hätte ich in einer Achterbahn Platz genommen, würde die Arme ausstrecken und jeden Luftzug, jedes einzelne Looping genießen. Als könnte ich die Aufs und Abs, die das Leben bietet, endlich als einen Teil von mir akzeptieren. Sicherlich ist an dem fetten Grinser, den ich jetzt ständig im Gesicht trage, auch die Tatsache schuld, dass ich in eineinhalb Wochen im Flieger nach Hanoi sitzen werde. Reisefieber. Unbändige Vorfreude. Erinnerungen an meine Indien-Reise vom letzten Jahr werden wach. Die gigantischen Bauwerke. Die Unmengen an Menschen, zwischen denen ich mich so lebendig gefühlt habe. Die langen, entspannten Busfahrten mit der an uns vorbeiziehenden Landschaft. Neue Menschen, die teilweise zu Freunden geworden sind. Viele kleine Abenteuer. Das Leben war plötzlich so leicht und an dieses Gefühl erinnere ich mich wieder, während ich diese Zeilen schreibe. Der Alltagswahnsinn hatte mich das zwischendurch ein wenig vergessen lassen.

Achterbahn der schrägen Dinge weiterlesen

Monatskarten für Flüchtlinge – wie ist es wirklich?

oe24.at/“Österreich“ hat vor Kurzem einen Artikel veröffentlicht, der den Titel „Flüchtlinge fahren bereits gratis mit Öffis“ trägt. Weiter geht es mit „Nun wird öffentlich, dass die Flüchtlinge schon lange die teuren Monatskarten bekommen“… Ein nicht genannter Leiter eines ebenfalls nicht genannten Flüchtlingsheimes soll laut dem Bericht gesagt haben, in der Unterkunft würden bereits alle Flüchtlinge mit Gratis-Monatskarten fahren, wenn sie Bildungsmaßnahmen wie Deutschkurse besuchen. Die Kosten übernehme der Fonds Soziales Wien (FSW). Wobei, immerhin das steht im Artikel, Monatskarten in Summe jedenfalls günstiger sind, als Einzelfahrscheine, kostenmäßig und bürokratisch. Dass dieser Text vielfach auch auf einschlägigen rechten Seiten geteilt wurde und wird, muss ich wahrscheinlich nicht extra betonen. Klar, er suggeriert ja auch, alle Flüchtlinge würden gratis mit den Wiener Linien fahren, Neid ist da vorprogrammiert. Wobei ich mich frage: Neid worauf? Die Leute haben ja nicht viel. Möchte echt jemand tauschen? Mit dem bisschen Geld, das sie monatlich zur Verfügung haben, können sie die Tickets für die Öffis selbst gar nicht finanzieren.

Monatskarten für Flüchtlinge – wie ist es wirklich? weiterlesen

Das kleine Fragezeichen und das große Nichts

„Xxxyyyzzzzz!!!!!!!“, schreit sie. Besser gesagt: Schreibt sie. Ich zucke hinter meinem MacBook sitzend zusammen. Fühle mich fast ein wenig bedroht. Ich stelle mir vor, wie sie nicht nur diese paar Worte in ihre Tastatur haut, sondern wie sie mich dabei auch noch anbrüllt. Warum macht sie das? Finden ihre Worte kein Gehör, wenn sie mit nur einem Rufzeichen oder gar mit einem Punkt enden? Wir kennen das bevorzugt aus rechtslastigen Facebook-Gruppen. Aus den Kommentarspalten diverser Medien. Aber auch anderswo begegnet uns das immer wieder. „!!!einseinself“, veralbern wir diese Personen dann gerne in unseren Antworten und Nonmentions. „!!!einseinself“, weil sie vor lauter Wut/Zorn/whatever so viele Rufzeichen in die Tastatur hämmern, dass irgendwann der Finger von der Shift-Taste abrutscht und „11111“ stehen bleibt. „!!!!!1111“, also. Sieht lächerlich aus und ist es auch.

Das kleine Fragezeichen und das große Nichts weiterlesen

Bettgeschichten

Frau Karrer braucht ein neues Bett. Samt neuer Matratze und neuem Lattenrost. Endlich durchschlafen. Ohne Rückenschmerzen. Und ohne Quietschen. (Krch krch, nein, den Scherz höre ich natürlich zum ersten Mal. ;)) Aber wo anfangen mit der Recherche? Bis auf Ikea, Leiner, Kika und Lutz fällt mir dazu nicht viel ein. Das Online-Angebot ist insgesamt eher mau, die meisten leistbaren Rahmen schauen nach „Naja, zur Not…“ aus und warum Matratzen und Lattenroste in Online-Shops überhaupt abgebildet werden, ist mir nicht klar. Die Unterschiede liegen hier augenscheinlich weniger in der Optik, vielmehr dürfte es irgendwo auf der Welt eine Matratzen-Klon-Machine geben und die dazu gehörenden Texte erinnern mich an für Laien doch sehr gleich klingende Wein-Beschreibungen. „Süffig im Abgang, mit einem Hauch von…“

Bettgeschichten weiterlesen

Fast wie Urlaub am Meer

kaisermühlen2 _ c sabine karrerStadtkind durch und durch. So würde ich mich grundsätzlich bezeichnen. Allerdings habe ich auch leicht reden. Ich bin Rande Wiens aufgewachsen und lebe dort bis heute. Nicht, dass ich mich nicht schon in anderen Grätzeln nach leistbarem Wohnraum umgeschaut hätte, denn der wird in Kaisermühlen inzwischen immer rarer. Was mich nicht weiter verwundert. Früher wollten nur wenige „über die Donau“ ziehen, heute schätzen immer mehr Menschen das Leben im Grünen, aber eben mit sehr guter Anbindung an die inneren Bezirke. Wenn’s schnell geht, bin ich in 15 Minuten am Stephansplatz. Das führt eben leider auch dazu, dass in meinem Bezirksteil an praktisch jedem Ort, an dem ein altes Haus abgerissen wird, ein neues mit superteuren Eigentumswohnungen entsteht. Früher oder später werde ich mich wohl entscheiden müssen: Weiterhin am Wasser leben, dafür auf ein Zimmer mehr verzichten und meinen cholerischen Nachbarn Herrn Alfred in Kauf nehmen, oder mich nach einem neuen Grätzel umschauen, das mir ein zumindest annähernd so schönes Zuhause bieten kann.

Fast wie Urlaub am Meer weiterlesen