Vor ein paar Monaten haben Freunde Besuch aus New York erwartet. Was ich ihnen in Wien zeigen würde, haben sie mich gefragt. Ich bin in so etwas nicht gut. Ich liebe meine Stadt und kenne natürlich sehr viele schöne Ecken. Und die großen Sehenswürdigkeiten, klar. Aber was man in ein paar Tagen Wien unbedingt sehen muss? Spontan gefragt? Keine Ahnung. „Hm, die Aussichtsplattform am DC Tower hat gerade aufgemacht“, habe ich gesagt. „Aber meinst du, das beeindruckt Menschen, die sicher schon oft am Empire State Building gewesen sind?“ Berechtigte Gegenfrage. Vermutlich nicht.
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Speisen im Kitschkabinett
Mein Abend im Marchfelderhof hat mir förmlich den Atem geraubt. Allerdings ist es stellenweise eher Schnappatmung gewesen. Vermutlich muss man als Wienerin zumindest einmal im Leben in dem etwas gehobeneren Lokal in der „Spargelrepublik Marchfeld“ (so behauptet es zumindest ein Schild vor der Türe) gewesen sein. 100 things you should do in Vienna before you die. Oder so. Da waren es nur noch 99. Mein Vater hatte nämlich einen Gutschein…
Lachen mit den Möwen
Larus ridibundus. Lachmöwen. Ich würde sie nicht gerade als meine Lieblingstiere bezeichnen, aber sie bringen mich tatsächlich jedes Mal zum Lachen. Quasi ein natürliches Heilmittel gegen Winterdepressionen.
Vogelperspektive
Man sagt ja gerne, das Schönste am Verreisen sei das Nachhausekommen. Als jemand, der unter leichter bis mittelschwerer Flugangst leidet, kann ich sagen: Am schönsten ist zuerst einmal das sichere Untenankommen. Beim Fliegen ist es ja so: Für Menschen, die nicht gerade technisch versiert sind (was vermutlich auf gut zwei Drittel der Fluggäste zutrifft), ist es ein Mysterium, wie sich so ein Flugzeug in der Luft halten kann. Wir wissen doch alle, wie die ersten Flugversuche von Wagemutigen geendet haben. Der Mann, der mit einer Art Fledermausanzug völlig enthusiastisch am Eiffelturm stand, dessen Absprung auf Zelluloid festgehalten wurde – und dessen unsanften Aufprall man sich mit etwas Fantasie ausmalen konnte. Gut, ich übertreibe. Seit dieser Schwarzweiß-Aufnahme ist natürlich ein gutes Jahrhundert vergangen. Vermutlich sind seither noch einige Menschen ums Leben gekommen, als sie es dem Eiffelturm-Menschen nachmachen wollten. Irgendwann folgte dann die Hindenburg. Wir wissen auch, wie dieser Flug ausgegangen ist.
Bittersweet Valentine
Blumen schenkende, Liebesschwüre hauchende, Romantik atmende Zweiergrüppchen.
In Gefühlen badende Ehemänner, Verlobte, Freundinnen.
Aus dem Ei gepellte Paare an rosengeschmückten Tischen.
Freud‘ und Leid, ein unzertrennliches Paar
Uns Wienern wird ja gerne ein gewisser Hang zum Morbiden unterstellt. Das mag durchaus stimmen, sofern es um die Theorie geht. Hunderte oder vielleicht sogar tausende Buchtitel zeugen davon. Auch ich bin bekennender Fan etwa des Kriminalmuseums im zweiten Bezirk, düsterer Bücher und Filme, ich besuche gerne Friedhöfe, mache Stadtspaziergänge und lasse mir dabei erzählen, welche Tragödien sich in manchen – bis heute erhaltenen – Gebäuden meiner Stadt abgespielt haben (zum Beispiel die Morde an jungen Frauen durch Gräfin Bathory in der Blutgasse). Die Faszination am Grausamen.