Und wenn es der letzte Gedanke gewesen wäre?

Eine kleine Unachtsamkeit, schon gerät man ins Schleudern. Ich sitze hinten im Auto, höre Musik, schaue aus dem Fenster, träume vor mich hin. Es ist ein schöner, sonniger Nachmittag. Wir hatten Freunde am Land besucht, viel gelacht, den Tag in der Natur genossen. Plötzlich schrecke ich auf, nehme meine Kopfhörer aus den Ohren, frage ganz leise, was passiert ist. Passiert ist das, was täglich passiert: Ein Auto kommt von rechts, Ausweichversuch nach links, dort rast ein weiteres Auto heran. Ausweichversuch zurück nach rechts. Wir verlieren kurz die Kontrolle.

Wir finden die Spur wieder, fahren weiter, aber der Schrecken sitzt. Ich bin hellwach. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, stopfe ich meine Kopfhörer wieder in die Ohren und drücke auf „play“. „Und hinterm Licht wartet ein Tunnel und am Tunnelende Licht“, höre ich. „Nur dass ein Plan dahinter steckt, zeigt sich für mich nicht.“ (Manch einer mag mir jetzt einen fürchterlichen Musikgeschmack unterstellen. Weiß ich nicht. Aber es ist halt, wie es ist. Ich mag „In diesem Moment“ und momentan steht der Song auf meiner Playlist eben ganz oben.)

Ich denke über die Zeilen nach. Nein, ich sehe auch keinen Plan. Ich habe nicht die geringste Ahnung, warum es nur eine Minute zuvor ebenso gut zu Ende hätte sein können, es aber eben nicht zu Ende ist. Es ist mir aber auch egal. Alles glimpflich ausgegangen, gut so. Warum nicht jeder das Glück hat, ich weiß es wirklich nicht.

Es war ein schöner Gedanke, einer, den man festhalten, ja geradezu vergolden und einrahmen sollte.

Die Landschaft zieht an uns vorbei und ich muss grinsen. Ich erinnere mich haargenau an den einen Gedanken, der auch mein letzter hätte sein können. Es war ein schöner Gedanke, einer, den man festhalten, ja geradezu vergolden und einrahmen sollte. Keiner dieser tagträumerischen Gedanken, wie ich sie so oft habe. Ein ganz konkreter Gedanke, einer, der es wert sein könnte, ihn weiter zu spinnen, einer, von dem nie jemand erfahren hätte, wären da doch ein Tunnel und ein Licht gewesen.

Aber genau so, denke ich, sollte es sein, wenn es denn eines Tages sein soll – und wir wissen, dass es irgendwann so sein wird, zumindest sollte es uns bewusst sein. Dann bitte genau so. Ein schöner Tag, ein schöner Gedanke, bumm. So abgedroschen das klingen mag: Carpe Diem. Genießen, was es zu genießen gibt. Nicht leben, als gäbe es kein Morgen. Aber so leben, dass ich auch morgen und übermorgen noch aufstehen und mich freuen kann.

Wir fahren weiter, die Sonne scheint und alles ist irgendwie gut in diesem Moment.

 

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