Leseempfehlung: „Anleitung zum Entlieben“

Die letzten Seiten von Conni Lubeks Roman „Anleitung zum Entlieben“ habe ich verschlungen, während mein Flugzeug gerade zur Landung auf Wien ansetzte. Mir sind die Tränen nur so aus den Augen geschossen. Meiner Mama, die es sich am Platz neben mir so gemütlich gemacht hatte, wie es neben dem vermeintlichen russischen Auftragskiller eben möglich war, habe ich meinen spontanen Gefühlsausbruch mit der verstärkten Angst erklärt, jetzt sterben zu müssen. Sie hat mir ein Taschentuch gereicht, mein Händchen gehalten und mich ansonsten schweigend weiterschniefen lassen… Ich habe übrigens die letzten Seiten besonders schnell gelesen. Ich wollte nämlich um keinen Preis mein Leben neben der Landebahn lassen müssen, ohne wenigstens erfahren zu haben, wie Lubeks Geschichte endet.

Nerv getroffen

In Wahrheit hat Lubek aka Lpunkt aka Lchen bei mir einen verdammten Nerv getroffen. Mit ihrer Selbstironie, ihrem trockenen Humor und ihrem Zynismus schafft sie bei mir maximale Identifikation mit der Hauptfigur. Die ist um die 30, immerhin halbwegs erfolgreiche (selbstständige!) Werberin, ständig auf der Suche nach Romantik, gepaart mit Bindungsängsten (ja warum nochmal suchen wir uns ausgerechnet die aus, mit denen man ohnehin keine echte Beziehung führen kann?) und bereit, sich von der großen Liebe ihres Lebens, 119, zu lösen („Die Grundkonstellation unserer Beziehung ist schnell erzählt: Ich liebte ihn, und er mich nicht. Das ist nicht etwa Spekulation, sondern Gewissheit. Er hatte es mir mehr als einmal gesagt, und ich sah keinen Grund, an seinen Worten zu zweifeln. Dafür behandelte er mich zu gut. Wenn es sich eben vermeiden ließ, wollte er mich nicht verletzen – nicht mal das.“). Dieses Loslösen erweist sich natürlich als nicht sehr einfach. Um genau zu sein, als so schwierig, dass dabei zuerst ein vielgelesenes Blog und in weiter Folge eben dieser großartige, humorvolle Roman entstanden ist.

Wie viel von all dem wahr ist, weiß ich nicht – ist aber auch egal. „Anleitung zum Entlieben“ ist schließlich keine Autobiografie. Ich jedenfalls musste mit Lchen im Laufe der über 300 Seiten viel mitmachen: Das Entlieben vom vermeintlichen Traummann (er übrigens war gelistet als Nummer Eins-Kandidat bei einer Online-Partneragentur – Sie wissen schon, das sind die, bei denen ansonsten arbeitslose Psychologen arbeiten… als im wahren Leben ausgebildete Psychologin [und Werberin] darf Lubek solche Sätze von sich geben ;)), der sie nicht liebt, aber mit ihr zusammen sein möchte… Die ständigen Rückfälle… Das Gedankenkarussell… Die Angst, nicht geliebt werden zu können… Die Sehnsucht… Die peinlichen Zwischenfälle in Job und Privatleben… Der andere Mann, den sie vielleicht irgendwann lieben könnte, weil er sie ja umgekehrt liebt; wenn er sie nur nicht so nerven würde… Und natürlich Curd Rock! „Nur äußerlich ein Stofftier“, schreibt Lubek über ihn. Curd Rock ist nicht nur ein Geschenk von 119, sondern auch ewiger Wegbegleiter, guter Freund, Seelentröster, Popstar, Co-Autor. Er ist immer da – und gibt ein verdammt gutes Model für die Fotos ab, die das Buch hin und wieder optisch auflockern. Ich mag Curd Rocks Kommentare. (Auch wenn ich die Sache mit den „m“s bis jetzt nicht verstanden habe…)

Tränen inklusive

Und am Ende habe ich eben geheult. Wie ein Schlosshund. Wie zuletzt bei Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“. Da war ich übrigens auch gerade von Holland aus wieder Richtung Wien unterwegs. Ich glaube aber nicht, dass ich in Holland näher am Wasser gebaut bin als in Österreich. Auch wenn es nahe läge – so weit unter dem Meeresspiegel. 😉

Interessant fand ich übrigens, wie unterschiedlich eine Freundin und ich Hauptfigur Lchen beurteilen. (Wir haben das Buch zur ziemlich gleichen Zeit gelesen. Ich habe ihr meines geschenkt und es nochmal bestellt. Ich war der Meinung, sie sollte es lesen. Genau jetzt. ;)) Sie über Lchen: „Ich konnte mich halt nicht so mit ihr identifizieren, irgendwie ist sie mir zu… selbstbewusst.“ Ich über Lchen: „Eigentlich ist sie aber schon ziemlich kaputt, oder? Läuft ewig einem Mann nach, der sie nicht liebt. Ist zugegebenermaßen Bulimikerin. Hält sich in ihrem Job für langsam und ineffizient. Zweifelt permanent an sich selbst. So kaputt, dass sie schon wieder normal, liebenswert und identifizierenswert ist. Auch wenn sie noch so oft über Typen schreibt, die sie auf kuriose Weise kennenlernt. Das ist uns auch beiden schon passiert… Und ich will ja nichts unterstellen, aber in meinem Buch würde ich diese Geschichten hundertprozentig ausschmücken, hehe.“

Liebeskummer mit Lachern

Na jedenfalls… „Anleitung zum Entlieben“ kann ich allen wärmstens ans Herz legen, die schon einmal Liebeskummer hatten oder aktuell darunter leiden. „Im Folgenden geht es um die Kunst des Entliebens“, schreibt Conni Lubek im Vorwort zu ihrem Werk. „Wer je einen Menschen von Herzen geliebt hat und irgendwann aus irgendwelchen Gründen einsah, dass es wohl besser wäre, damit aufzuhören, der weiß, wie schwer das ist.“ Sie hat recht.

 

„Anleitung zum Enlieben“

Conni Lubek / Curd Rock
EUR 9,95
Ullstein Taschenbuchverlag
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