Hallenbad-Diaries, Dianabad: Piratinnen im Wildwasserkanal

Das neueste Hallenbad-Abenteuer von R. und mir scheitert beinahe in der Garage. „Dianabad/2.UG“ steht auf der Tafel. Pfeil nach rechts. „Zufahrt nicht möglich, Kurzparker“ teilt uns die Anzeige zum 2. Untergeschoß mit. Wir fahren noch eine Runde, bis wir das Schild richtig interpretieren: Die „2. UG“-Info geht uns gar nichts an. Hm. Mit der Beschilderung hat man es in dem Bad, in dem wir fast doppelt so viel Eintritt bezahlen wie in den städtischen Bädern, generell nicht so, werden wir später feststellen.

Nachdem wir unsere Tickets gelöst haben (zur Auswahl stehen abends noch zwei oder vier Stunden – wir nehmen zwei Stunden für je 9,70 Euro; am Wochenende wäre es übrigens teurer), laufe ich gegen das Drehkreuz. „Der Eingang ist auf der anderen Seite“, grinst die Dame hinter dem Ticketschalter, der an eine karibische Bar erinnert.

„Ich hab einen Penis gesehen!“

Nächster Halt: Garderobe. R. und ich suchen unser Kästchen. Lediglich: Auf unseren Armbändern stehen keine Nummern. „Tschuldigung, woher weiß man hier, welches Kästchen man hat?“, fragen wir eine junge Frau, die irgendwie wissend aussieht. Okay, man sucht sich irgendeines aus, auch das verstehen wir dann. Dass neben uns Frauen, Männer und Kinder umher laufen, macht uns etwas stutzig. Gemischte Garderobe, alles klar. R. kann es noch nicht so ganz glauben, während ich über die Geräumigkeit der Kästchen maule. „Im Donaustädter Bad sind die aber schon größer“ (ich). „Dafür hab ich ein Schuhnetz, ha!“ (R.). „Ein was?“ (ich). „Na da kannst du die Schuhe reinhängen.“ (R.) „Ah, ich klau mir das aus der anderen Garderobe.“ (ich) „Aber im Donaustädter Bad gibt’s ein ganzes Schuhfach und das ist auch viel günstiger und überhaupt.“ (wieder ich)

R. fragt zur Sicherheit noch einen anderen Gast nach der Damen-Garderobe. Gibt’s nicht. („Das mag ich nicht“, zischt sie) Ich suche die Kabine zum Umziehen auf, zwei Stunden später wird mir dass aber auch zu kompliziert sein. „Oh Gott, ich hab einen Penis gesehen“, lacht R. später. „Oh Gott, du hast Penis gesagt“, lache ich zurück. War sicher irritierend, als sie mir etwas sagen wollte, mich dabei angeschaut hat und ein paar Schritte dahinter ein nackiger Typ gestanden ist. Ihr merkt schon: Wir haben Spaß im Erlebnisbad, noch bevor wir überhaupt eine Zehenspitze ins Wasser gehalten haben.

„Du hast mir nicht geglaubt, dass wir heute nur planschen, gell?“

Ins Wasser geht’s aber noch immer nicht, zuerst schauen wir uns die Wasserrutsche, den Riesenreifen-Fuhrpark und die ganzen Piratenfiguren an. Und die Plastikpflanzen. (Ist es wirklich so schwer, in einem Gebäude voll mit Wasser echte Pflanzen anzuschaffen und einmal in der Woche mit dem Schlauch drüber zu spritzen?) „Und wo ist jetzt das Becken zum Schwimmen?“, frage ich. R. kichert: „Du hast mir echt nicht geglaubt, dass wir heute nur Planschen werden, gell?“ Ich verstehe: Es ist wirklich nur ein Erlebnisbad. Babybecken, Kinderbecken, Kinderspielbecken, Whirlpool, Wellenbecken mit Wildwasserkanal, Wasserrutsche, kein Schwimmbecken.

Wir setzen uns in den Whirlpool, warten aber vergeblich auf die Blubberbläschen. Die gibt’s nämlich nur zwei Mal pro Stunde. Gut, Wildwasserkanal. („Hui!“) Wir stellen fest, dass keine von uns auch nur fünf Minuten in einem Wildwasserbach überleben würde. Wieder zurück zum Whirlpool, man muss ja alles ausnützen in den zwei Stunden. Später kann ich im Wellenbecken doch noch ein paar Längen schwimmen. Dazwischen kommen die Wellen, auch die (in dem Fall Glück für mich) nur zwei Mal stündlich („Hui!“). Der „Master Blaster“ ist zwar für alle vollen und halben Stunden angekündigt (zumindest interpretieren wir das Schild so), wir finden aber nicht heraus, was das eigentlich sein soll, weil einfach nichts passiert. (Wie gesagt, mit dem verständlichen Anschreiben haben sie es nicht so.) Dafür wohnt der Bademeister oberhalb des Beckens in einem Bambus-Piratenhaus (und trinkt in meiner Vorstellung Cocktails, aber auch nur da). Ganz nebenbei frage ich mich, warum das Dianabad-Restaurant nicht „Dianabar“ heißt.

Nachdem mir Wellenbecken, Wildwasserkanal und Whirlpool ohnehin schon fast meine Kontaktlinsen aus den Augen geschwemmt haben, versuche ich es zum Abschluss mit Rückenschwimmen und stelle mir schon vor, wie ich mich am Heimweg die Wand entlang hantle, um meine Wohnung zu finden (und den Nachbarn rausklingeln muss, damit er mir die Türe aufsperrt). Die Spiegelungen in den Deckenfenstern sind schön, wenn es draußen dunkel ist. Ich versuche, ganz elegant zu schwimmen, so wie es die Menschen in Filmen machen, bevor irgendwas Arges passiert. Türkisblaues Wasser, fescher Badeanzug, Arm hoch, Arm runter, fließende Bewegungen. Naja, elegant ist auch anders. Ich suche mir ein Plätzchen, von dem aus ich mich nicht selbst beim Schwimmen beobachten kann. Außerdem sehe ich schon wieder nichts, weil Kontaktlinse und Wasser, ihr wisst…

Fazit: Eh nett, aber…

„Also ich find das Donaustädter Bad besser“, sage ich, während ich mir noch rasch die Haare föhne, bevor unsere zwei Stunden endgültig ablaufen und mich das Föhnen vermutlich auch noch sechs Euro extra kosten würde. Wir hatten viel Spaß, zugeben, es war auch nicht sehr viel los an diesem Donnerstagabend. Wobei ich nicht genau weiß, wohin die ganzen Leute, die mit uns in der Garderobe gestanden sind, verschwunden sind, so groß kann die Sauna dort auch nicht sein. Aber ein bisschen weniger Stress wäre fein gewesen – sich die Zeit genau einzuteilen, in der man im Bad sein, das Wellenbecken, den Whirlpool und (theoretisch zumindest) die Wasserrutsche nutzen kann, ist nicht ganz unanstrengend. 😉 Dafür hätte mich sehr interessiert, wie das „Badeschluss!“ im Dianabad klingt.

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