Was nützen 20 Centimeter, wenn die Qualität nicht stimmt?

Eigentlich wollte ich das Centimeter am Spittelberg bis an mein Lebensende meiden. Vergleichbar vielleicht mit dem Ex, den man auch nie wieder hören und sehen wollte, und dann ergibt sich irgendwann doch ein erneutes Zusammentreffen und man merkt wahlweise, dass es mit ihm erstaunlich okay ist, oder aber man bekommt bestätigt, warum man damals keinen Kontakt mehr wollte. So ist das mit dem Centimeter auch. Viele Jahre war ich nicht mehr drinnen, bis es mich gestern mit ein paar Bekannten auf den Weihnachtsmarkt am Spittelberg verschlägt. Uns ist kalt, wir haben Hunger, die Entscheidung der Gruppe fällt auf eben dieses Lokal, also gebe ich ihm eine neue Chance.

Einen Tisch bekommen wir recht rasch und als wir alle sitzen, sogar das Angebot, an den etwas größeren Nebentisch zu wechseln. Die Getränke stehen auch bald am Tisch. Wir bestellen unser Essen. Ich entscheide mich für ein überbackenes Brot und weil man die hier nach Länge bestellt, wähle ich die 20 Zentimeter. Zugegeben vor allem deswegen, weil ich den entsprechenden Tweet schon im Kopf habe: „Liebe Männer, DAS sind 20 Zentimeter!“ Mit Zwinkersmiley, versteht sich.

Bis ich den Tweet schließlich absenden kann, dauert es sicher 40 bis 45 Minuten. Inzwischen hat einer von uns seine Knödel mit Ei längst aufgegessen (warum die so schnell serviert waren und die restlichen Essen nicht, weiß ich nicht, will ich aber vielleicht auch gar nicht so genau wissen), irgendwann kommt das erste unserer bestellten Brote, irgendwann meines, irgendwann dann auch das letzte und der ebenfalls georderte Burger. Wir essen quasi im Schichtdienst. Mein Brot schmeckt eher mau, unten durchgeweicht, oben nur halbwegs knusprig, wobei ich natürlich schon weniger Schmackhaftes gegessen habe, allerdings auch vieles, das wesentlich besser war. Angeblich war aber der Burger recht genießbar. Das Ambiente ist übrigens nicht extrem einladend und über den Zustand der Damen-Toilette möchte ich kein Wort verlieren.

Inzwischen habe ich meinen 20-Zentimeter-Tweet abgesendet und die ersten Antworten auf diesen und meine anschließende Lokalkritik (kurz und knackig: es ist ein Daumen, der nach unten zeigt) lassen nicht lange auf sich warten: „Da nutzen auch ehrliche 20 Zentimeter nix, wenn Qualität und Service nicht passen, gell?“, schreibt A. und ich sehe direkt vor mir, wie er den Satz fett grinsend in sein Smartphone tippt.

Stimmt, womit wir wieder beim Ex wären. Wenn man 20 Zentimeter vor sich hat, aber das Ergebnis… nun ja, sagen wir alles andere als befriedigend ist, kann man in Zukunft gut darauf verzichten. Wobei zweite Chancen meiner Meinung nach meistens okay sind, nur eine dritte Chance bekommt bei mir nichts und niemand mehr so schnell.

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2 Gedanken zu „Was nützen 20 Centimeter, wenn die Qualität nicht stimmt?“

  1. Danke für die Info, ich war noch nie in irgendeinem Centimeter, und dieser schöne Text bringt mich zum Entschluss, dass sich daran auch nix ändern soll. Vor allem wo’s eh so viele schöne Beiseln gibt am Spittelberg (sicher auch in der Nähe anderer Centimeter…)

    1. Stimmt, ich mag ja z.B. das Amerlingbeisl sehr gerne. Wobei ich hier natürlich nur meine persönlichen Erfahrungen schildern kann. Okay und die anderer. Aber vermutlich muss man sich wie bei so vielem selbst ein Bild machen. 😉

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