Amor mit Burnout

Ein Wien-Guide für Verliebte? Gibt’s wirklich. Zumindest demnächst. Und nein, ich werde ihn nicht schreiben, ich bin ja nicht verliebt. Allerdings habe ich mich gleich für ein druckfrisches Exemplar angemeldet. Um den Praxistest zu machen. „Was, so bald erscheint das schon? Das geht sich nie im Leben aus“, habe ich gemeint. Und bin im Kopf schon sämtliche Pärchen, die ich kenne und die auch nur annähernd auf Wolke 7 zu schweben scheinen, durchgegangen. Hm, der S. Vielleicht? Dem geht’s grad ziemlich gut… Oder die J.? Die war glaube ich schon öfter verliebt als jeder andere, den ich kenne. Zumindest, seit ich sie kenne. M. wäre auch eine Möglichkeit, ja das könnte gut passen…

„Ach geh, wenn Amor dich mit seinem Pfeil trifft, dann geht das schneller, als du denkst“, unterbricht die Stimme auf der anderen Seite meine Gedanken. „Pfff, also Amor hatte bei mir echt genug Zeit. Chance vertan, würde ich sagen“, kontere ich. Wohlwissend, dass ich die zwei Seelen, die in mir leben, gleichermaßen zufrieden stellen sollte: Einerseits die Romantikerin, die trotz allem noch immer an die bzw. eine große Liebe glaubt. Und andererseits die Skeptikerin, die sicher ist, dass sie spätestens in einigen Jahren entweder in einer Samenbank für künftige Single-Mamis einchecken oder sich ein schwules Pärchen für eine Elternschaft zu Dritt suchen wird müssen. Und sich die Romantik auch künftig auf 50 erste Dates beschränken könnte. Nicht wegen dem Gedächtnisverlust – ach ihr wisst schon, was ich meine…

Liebesbote, gib Gas!

„Nix da, dein Amor hat bloß ein Burnout“, wirft meine Gesprächspartnerin ein. „Jaja, du alte Optimistin“, denke ich mir. Und frage mich im gleichen Moment, ob sie Recht haben könnte. Aber jetzt im Ernst: Ein Burnout seit durchgehend sechs Jahren? Da sollte der Gute sich doch allmählich überlegen, eine Psychotherapiepraxis für ausgelaugte, depressive Liebesboten aufzusuchen. Sollte jemand von euch den kleinen Mann sehen: Richtet ihr ihm bitte von mir aus, er soll Gas geben? Mit meinen 33 Lenzen kann ich doch schon ein wenig nachvollziehen, wie das mit der biologischen Uhr so ist. Und noch wichtiger: Mir fehlen Dates (zweite, dritte, zehnte – das erste würde ich am liebsten überspringen ;)), mir fehlt es, verliebt zu sein, mir fehlt das Strahlen in meinem Gesicht, wenn dieser eine Mensch den Raum betritt.

Wäre ich Amors Lehrerin, hätte ich Mama Venus und Papa Mars schon längst zum Gespräch gebeten. „Der Bub soll was hakl’n“, würde ein Freund von mir sagen. Ich bin da ganz bei ihm.

 

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